Tradition

Die Schützenvereine in ihrer heutigen Form entstanden im frühen 19. Jahrhundert im Gefolge der napoleonischen Kriege. Ihre Ursprünge jedoch liegen in mittelalterlichen Städten. Die Mitglieder bestanden zunächst vielfach aus Kriegsveteranen, nicht zuletzt der bisherigen freiwilligen Heeresverbände wie z. B. des Lützowschen Freikorps. Neben gesellschaftlichen und sozialen Aspekten kamen den Schützenvereinen lange Zeit auch genuin politische Funktionen zu.

Regional unterschiedlich beginnen im Frühjahr in vielen Städten und Dörfern die Schützenfeste, welche heutzutage vor allem als Volksfeste gesehen werden. Die Schützenfeste haben eine durchaus militärische Abstammung, die im Kern auf vornapoleonische Zeit zurückgeht.
Die Schützengilden hingen eng mit der spätmittelalterlichen Machtentwicklung der Städte zusammen, deren Besatzung und Wehr die Bürger bildeten. Diese mussten oft auf den Ruf der Sturmglocke zur Armbrust und zur Partisane greifen, um die Trossknechte der Edelleute von den Stadtmauern fernzuhalten.
Während die patrizischen Geschlechter Waffen und Rüstung der Ritter annahmen, wählten die übrigen, nach Zünften und Stadtvierteln geordneten Bürger andere Waffen, vornehmlich Bogen und Armbrust und zur Übung bildeten sich Schützenvereine, in der damals üblichen Form von Gilden. Diese hatten Schützenhäuser und Schießbahnen, eine durch Beiträge und Vermächtnisse gegründete und unterhaltene Vereinskasse und hielten jedes Jahr Schützenfeste ab.

Im Vorfeld entsprang dieser Tradition die Idee einer selbstbestimmten, national-deutschen Bürgermiliz als Widerpart zu den stehenden Heeren der nur auf ihren partikularen Landesfürsten verpflichteten Berufsarmee. Die Schützenfeste dienten nunmehr vor allem der Inszenierung und Repräsentation dieser Idee. Ihr entstammt auch der bis heute teilweise vorhandene paramilitärische Aspekt der Schützenfeste.

Gegenwärtig schießen die Schützen beim Königsschießen des Schützenfestes auf einen hölzernen Vogel oder auf Scheiben. Sie ziehen in ihren traditionellen Uniformen und in geordneter Marschformation unter den Klängen militärischer Musik aus, um den amtierenden König / die amtierende Königin einzuholen. Der beste Schütze des laufenden Wettbewerbs (hat den Rumpfvogel von der Stange geholt) wird neuer König. Da Schützenfeste Traditionsveranstaltungen sind, unterliegen sie nicht der Sportordnung des Deutschen Schützenbundes sondern den jeweiligen lokalen Satzungen.

Das größte Schützenfest Deutschlands wird jedes Jahr in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover gefeiert.

Die gesellschaftliche Bedeutung des Schützenfestes differiert regional erstaunlich stark. Ausgeprägt ist sie vor allem in den beiden niedersächsischen und den beiden bayrischen Landesverbänden, daneben jedoch auch in Westfalen, am Niederrhein sowie in Teilen Hessens. 
 

Die Schutzgemeinschaft = Schützenverein

In den unruhevollen Zeiten der Kleinstaaterei und Stadtfehden, waren Leben und Gut der Bürger in Stadt und Land oftmals großen Gefahren ausgesetzt, da es an ausreichendem obrigkeitlichem Schutz fehlte. Zur Abwendung dieser Gefahren bildeten sich allerorts Schutzgemeinschaften. Mitglied einer solchen Schutzgemeinschaft zu sein, war für jeden wehrtüchtigen Mann, ob arm oder reich, gleich welchen Standes, Ehrensache. Es ist eindeutig nachgewiesen, dass es diese Schutzgemeinschaft auch im Borbecker Lebensbereich gegeben hat.

Im 17. Jahrhundert lagen Stift und Rat des Marktfleckens Essen im heftigem Streit. Deshalb hatten die Fürstäbtissinnen Essens jahrzehntelang ihre Residenz in das Schloss Borbeck verlegt. Aus diesem Geschehen heraus, besetzten am 31. März 1661 auf Anordnung der residierenden Fürstäbtissin, "Anna Salome" Borbecker Schützen, verstärkt durch bewaffnete Stiftsbauern der Umgebung, den Marktflecken Essen und entführten den Stadtsekretarius Dr. Leimgard nach Schloss Borbeck in Haft.
Am 4. April 1661 erschienen vor Schloss Borbeck vier hohe Regierungsbeamte, begleitet von vier Offizieren und 200 Soldaten nebst großem Geschütz und erzwangen von der Fürstäbtissin die Herausgabe des hohen Gefangenen und Räumung des Marktflecken Essen. Im noch erhaltenen "Roten Kettenbuch" des Stiftes Essen ist diese Begebenheit als der Borbecker Bauernkrieg vermerkt.

In damaliger Zeit war es die Gepflogenheit, dass den Schutzgemeinschaften, für den der Allgemeinheit geleisteten Dienst, einmal im Jahr - und zwar nach der Ernte - ein Freitrunk gewährt wurde. So auch in Borbeck. Im Herbst des Jahres zogen die Schutzgemeinschaften der Umgebung zum Gemeindeanger am Weidkamp, wo ihnen der Freitrunk im Rahmen eines Biwaks gewährt wurde.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich dieses Biwak zu einem Volksfest. Bei Spiel und Tanz, in deren Mittelpunkt ein Vogelschießen stand, erlebte man einen frohen Tag, an dem auch oftmals die Fürstäbtissin mit ihrem Gefolge teilnahm. In dem schon angeführten "Roten Kettenbuch" des Stiftes Essen heißt es hierzu:


"Wanmehr to Borbeck den Voggel aff schuittet, bekomen de Hawslude van e Abdysen en Ohm Beyrs"

Wie lange dieses Privileg gewährt wurde, ist mit Sicherheit nicht zu sagen. Aber das Brauchtum selbst erhielt sich bis in unsere Zeit. In Verfeinerung der Sitten und Gebräuche wurden die Schutzgemeinschaften zu Schützenvereinen - das Biwak zum Schützenfest. So war es früher - so ist es heute. Tiefer Sinn dieses Geschehens war und ist: Altes Brauchtum zu erhalten! Das heimatliche Verbundensein zu pflegen. Der Freude dienen. 


Traditionell marschiert der Schützenverein vor dem Schützenfest zum Ehrenmal. Regelmäßig wird hier zu Ehren der Verstorbenen eine Totengedenkfeier abgehalten und der "Große Zapfenstreich" gespielt. 

Tambourcorps Grün-Weiß Essen-Kupferdreh
SJB Schönebecker-Jugend-Blasorchester
Bundesschützen Garde Musikkorps Schwaney
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