Wissenschaftlicher Schiess-Test mit Wettkampfmunition: Zu Blei als Geschossmaterial gibt es für Sportschützen keine Alternative – droht das Ende des Leistungssports?

Umfangreiche Schießtests belegen, dass sich die Präzision beim Sportschießen mit angeblich alternativen Geschosssorten anstelle von Blei stark verschlechtert. Ein sicheres Treffen würde dadurch zum Glücksspiel. Internationaler Leistungssport wäre für europäische Sportler nach dem drohenden EU-Bleiverbot für Munition nicht mehr möglich, mit teuren wirtschaftlichen Folgen!

Ein Beitrag von Ulrich Eichstädt13.09.2021

 

Der russische Weltrekord-Schütze Sergej Kamenskij erzielte dieses Traum-Ergebnis von 632,3 Ringen (60 x volle Zehn, ausgewertet mit Zehntelringen) mit dem Kleinkaliber-Gewehr auf 50 Meter im Liegendanschlag. Aus einem eingespannten Gewehr ohne "Schützenfehler" wäre das Schussbild kaum kleiner möglich!

Ohne Bleimunition kein Spitzensport! Diese ernüchternde und auch erschreckende Schlussfolgerung belegen aktuell zwei umfangreiche Testreihen, die gerade von renommierten Waffen- und Munitionsherstellern unter Kontrolle des Beschussamts Ulm absolviert wurden. Es ging dabei um Randfeuermunition (Kleinkaliber) sowie Luftgewehrkugeln. Im Auftrag des JSM (Verband der Hersteller von Jagd-, Sportwaffen und Munition mit Sitz in Ratingen) wurden unter wissenschaftlichen und transparenten Testbedingungen sowohl Kleinkaliber-Matchgewehre wie auch die weltbesten Wettkampf-Luftgewehre aus eingespannten Systemen geprüft, um Schützenfehler auszuschließen. Neben den erfahrenen Service-Technikern zweier bekannter Waffenhersteller sorgte ein Vertreter des Beschussamts Ulm für die Kontrolle und eine nachvollziehbare Dokumentation. Als Munition standen sowohl die momentan führenden Match-Patronen mit Bleiprojektilen zur Verfügung wie auch entsprechend hochwertige bleifreie Sorten des selben Herstellers, so dass sich beiderseits fertigungsbedingte Qualitätsprobleme ausschließen ließen. Auch auf die verwendeten Testgewehre hatten sich alle Beteiligten vorab geeinigt.

Höchste Präzision mit Blei gegen Zufallstreffer mit Ersatzstoffen

Alle mit eingespanntem KK-Gewehr und Patronen mit Bleigeschossen erzielten Schussbilder würden, übereinandergelegt, immer noch unter 17 mm umschlossen liegen – das ist nur knapp das dreifache Kalibermaß. Da sichtbar berührte Ringe "nach oben" zählen, wären alle Schüsse auch noch volle Zehner.

Die Ergebnisse der mehrtägigen Tests sprechen für sich. Heutige Weltklasseschützen erreichen aus dem freien Anschlag mit Kleinkaliber- oder Luftgewehr fast so enge Schussbilder wie die reine Waffen-/Munitionsstreuung „eingespannt“. Da solche eng zusammenliegenden Schusslöcher nicht mehr auf Papier-Schießscheiben auswertbar wären, erfolgten die Schießtests auf Kugelfänge mit einer berührungslosen optischen Auswertung, die jeden Treffer hindurchfliegenden Geschosses auf 1/100 Millimeter genau bestimmen lassen. So wird aktuell auch bei Meisterschaften weltweit ausgewertet, diese Methode steht außerhalb jeder Kritik. (Anmerkung: Zur Verdeutlichung in diesem Beitrag wurden die elektronisch registrierten Schussbilder dann doch wieder grafisch auf Papierscheiben übertragen).

Mit bleifreien KK-Geschossen ließen sich kaum reproduzierbare Schussgruppen erreichen; die Streuung war derart hoch, dass Leistungssport kaum noch möglich wäre. Die äußersten Treffer waren in der Acht, die Zehn wurde nur nach dem Zufallsprinzip getroffen – der Gesamtdurchmesser ca. 48 mm

Bei den zum Vergleich und unter identischen Bedingungen getesteten bleilosen Sorten konnte man kaum von Schussgruppen im Wortsinn sprechen – so stark auf der Zielfläche verstreut landeten die Treffer, kaum vorauszusagen und eher dem Zufallsprinzip geschuldet. 

Das wurde auch durch mehrfach wiederholte Serien bestätigt, kaum eine geschossene Serie ähnelte den anderen. Es ließen sich keine gleichmäßigen Abweichungen erkennen, die Streuung also kaum mathematisch erfassen. Was Ballistiker wie Sportler gleichermaßen vorab vermutet und auch vorher schon in der Praxis ermittelt haben: 

Die spezifischen Eigenschaften von Blei in Geschossform, was Gleichmäßigkeit, Flugverhalten und Präzision beim Schießen angeht, lassen sich bisher durch kein wie auch immer geartetes Ersatzmaterial erreichen.

Mit dem Luftgewehr ist bleifreie Munition unbrauchbar für den Spitzensport – das sind die Folgen: 

 

Nach 30 Schuss mit dem eingespannten Luftgewehr und Top-Bleidiabolos, wie heute international im Leistungssport üblich, lag die umschlossene Gruppe bei knapp 7 mm, das wären alles Zehner gewesen.

Was bedeutet das für den drohenden Fall, dass die Europäische Union auf Empfehlung der ECHA (Europäische  Chemikalienagentur) künftig Blei als Geschossmaterial verbieten würde – nicht nur in der freien Natur, sondern nach Expertenprognosen nach und nach auch auf Innenraum-Schießständen und ungeachtet der vielen bereits geäußerten fachlichen Gegenargumente? 

Der über Jahrzehnte erreichte sportliche Fortschritt zu immer besseren Leistungen, neuen Rekorden und bewundernswerter Körperbeherrschung bildet die Grundlage von Olympiasiegen, Weltmeister-Titeln und internationalen Vergleichen. Dies würde drastisch gestoppt und der Leistungssport zunichte gemacht, und das nicht einmal weltweit, sondern nur im Bereich der Europäischen Union.

Es ist kaum zu erwarten, dass sich die außereuropäischen Nationen, etwa Asien, Afrika oder Nord- wie Südamerika den wissenschaftlich nicht begründbaren Einschränkungen der EU anschließen würden.

Mit 9,7 mm als gemitteltem Gesamt-Durchmesser (umschlossen) lagen die Zinn-Geschosse auf mehr als dem doppelten Kaliber-Maß, eine Zehn auf der Luftgewehr-Scheibe (die nur 0,5 mm misst) wäre nicht mehr garantiert.

Von dem drohenden Bleiverbot bei Munition würden allein in Deutschland gut zwei Millionen Sportschützen und Jäger betroffen. Allein der Deutsche Schützenbund hat 1,3 Millionen Mitglieder, die anderen gesetzlich anerkannten Schießsportverbände, die ebenfalls ausschließlich Bleimunition nutzen, eine geschätzte weitere halbe Million. Die Schützen müssten jede Form von Leistungssport mangels geeigneten Materials aufgeben (mit dem drohenden Wertverlust ihrer nicht mehr nutzbaren Ausrüstung), eine sportliche Vergleichbarkeit außerhalb der EU wäre nicht mehr gegeben.

Wie geht es jetzt im ECHA-Verfahren und dem angestrebten Verbot von Blei in Munition auf EU-Ebene weiter?

Am 24. September 2021 läuft das Anhörungsverfahren ab, in dem betroffene Verbände und Interessengruppen ihre Stellungnahmen bei der EU einreichen können. Der deutsche Herstellerverband JSM hat die im Original ausführlichere Test-Dokumentation an die ECHA weitergeleitet – Nicht nur die olympischen Schießsportdisziplinen sind unter diesen Voraussetzungen nicht mehr denkbar, sondern auch die publikumswirksamste Sportart Biathlon.

Über eine ähnliche Stellungnahme der Internationalen Schießsport-Föderation ISSF hatte all4shooters.com bereits berichtet. Blei (Bleimetall in Geschossen) muss als Material in vielen Punkten rehabilitiert werden. Viele Studien gehen von falschen Voraussetzungen aus und berücksichtigen die Partikelgrößen nicht. Die Aufgabe der ECHA ist es, die EU-Kommission zu beraten, in Bezug auf Mensch, Umwelt und sozioökonomische Auswirkungen. 

Das Gesamtbild der Analyse der ECHA und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind angreifbar und verkennen die Tatsache, dass es keine "brauchbaren Alternativmaterialien" im Periodensystem der Elemente für die Geschossfertigung gibt. Um das zu relativieren, ist die obengenannte Anhörungsfrist der betroffenen Parteien ein wichtiger Meilenstein, um das Verbot von Blei in Munition quasi in letzter Sekunde zu kippen.

Erstes Kaiserpaar, Amtszeit: 2019/2022

Erstes Kaiserpaar 2019/2022 

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